In Häusern oder Wohnungen treten häufig Gerüche auf, deren Quelle von den Bewohnern nicht eindeutig lokalisiert werden kann. Gleichzeitig werden die Gerüche als sehr störend wahrgenommen. Die Befindlichkeit der Raumnutzer wird beeinträchtig, bis hin zu massiven gesundheitlichen Bewerden.

Geruchsstoffe sind chemische Verbindungen, die den Geruchssinn ansprechen und Geruchsempfindungen auslösen. Dazu zählen mehrere tausend Einzelsubstanzen. Bislang ist noch unklar, welche Strukturmerkmale die geruchstragenden Eigenschaften bedingen. Z.B. können strukturell unterschiedliche Verbindungen eine fast identische Geruchsempfindung auslösen, wohingegen ähnliche Stoffe geruchlich mitunter sehr verschieden wirken. Dieses Fehlen einheitlicher Merkmale behindert die chemisch-analytische Erfassung und Bewertung von Gerüchen. Zudem können sich einzelne Geruchsstoffe mit der Zeit verändern, wenn sie z.B. durch Luftsauerstoff oder Lichteinwirkung chemisch umgewandelt werden. Damit kann sich auch die Geruchswirkung eines Stoffgemisches ändern.

Es gibt jedoch einige grundlegende Eigenschaften von Geruchsstoffen: Sie müssen flüchtig sein, um in die Nase zu gelangen. Nur ausreichend wasserlösliche Stoffe können das wässrige Milieu der Nasenschleimhaut durchdringen und die Geruchsrezeptoren erreichen. Um in die Membranen der Riechzellen einzudringen, müssen die Stoffe zudem ausreichend fettlöslich sein. Sehr viele Geruchsstoffe sind flüchtige organische Verbindungen (VOC), z.B. aliphatische, aromatische oder halogenierte Kohlenwasserstoffe sowie sauerstoff-, schwefel- und stickstoffhaltige Verbindungen. Darüber hinaus zählen zu den geruchsintensiven Stoffen auch anorganische Substanzen wie Schwefelwasserstoff und Ammoniak.

Der menschliche Geruchssinn ist allen heute bekannten chemischen Methoden zur Geruchsanalytik überlegen: Er ist immer "eingeschaltet" und häufig auch sensibel für sehr geringe Geruchsstoffkonzentrationen. Dies nutzt man, indem man z.B. dem Erdgas schwefelorganische Verbindungen zusetzt, die nicht toxisch sind, aber bereits in sehr geringen Konzentrationen wahrgenommen werden. So kann jeder eventuelle Undichtigkeiten in den Gasversorgungsleitungen sofort feststellen.

Geruchsreize wirken als Signal für erhöhte Aufmerksamkeit. Daher rufen Gerüche physiologische Reaktionen hervor: Immer wenn sie "Alarmsignale" setzen, aktivieren sie den Organismus. Sie rufen z. B. Stressreaktionen hervor, die den Körper auf Kampf oder Flucht vorbereiten, wie Pupillenerweiterung oder Verengung der peripheren Blutgefäße.
Belästigungen, also psychologische Wirkungen, sind die wichtigste Wirkungskategorie. Generell wirkt ein schwacher, eher angenehmer Geruch viel weniger belästigend als ein starker, unangenehmer. Dabei können persönliche Merkmale wie Lebensalter, Gesundheitszufriedenheit oder Stressverarbeitungsstile die individuelle Belästigungsreaktion erheblich dämpfen oder verstärken. Häufig ruft eine Geruchswahrnehmung toxikologisch nicht begründete ängste vor einer Schadstoffbelastung hervor.

Die meisten Menschen haben eine mittlere Geruchssensibilität, während einige einen sehr guten oder einen sehr schlechten Geruchssinn haben (entspricht mathematisch einer Normalverteilung). Z.B. können manche Menschen bereits sehr viel geringere Geruchsstoff-Konzentrationen wahrnehmen als andere.

Die Geruchsschwelle (Wahrnehmungsschwelle) ist die Konzentration eines Geruchsstoffes, die eine eben merkliche Geruchsempfindung auslöst. Die Geruchsschwelle liegt meist um den Faktor 2 - 3 niedriger als die Schwelle, ab der ein Geruch erkannt werden kann.
Bei andauernder Exposition nimmt die Geruchsstärke-Empfindung ab, man gewöhnt sich also an den Geruch. Diese Adaption geht wieder zurück, wenn der Geruch nachlässt. Bei hohen Konzentrationen der Geruchsstoffe passt sich der Geruchssinn schneller an.

Zur Bewertung von Geruchsproblemen in Innenräumen bestehen weder gesetzliche Regelungen noch einschlägige auf die Problematik von Innenräumen angepasste DIN- oder VDI-Richtlinien. Die Vorgehensweise erfolgt gemäß dem Leitfaden zur Beurteilung von Gerüchen in Innenräumen, ü erarbeitet von einer Kommission Sachverständiger des österreichischen Umweltministerium und der Arbeitsgemeinschaft ökologischer Forschungsinstitute (AGöF). Der Leitfaden berücksichtigt auch die aktuell herausgebrachte öNORM S 5701 : 2008 03 01 : N: "Sensorische Bestimmung der Intensität und Art von Gerüchen in der Innenraumluft - Anforderungen für Vor-Ort-Prüfungen". Erste Informationen zu diesem Leitfaden sind in zu lesen bei Peter Tappler,"Erstellung einer Richtlinie/ Leitfaden zur Bewertung von Gerüchen in Innenräumen", in: Umwelt, Gebäude & Gesundheit: Innenaumschadstoffe, Fogging und Gerüche, Hrsg. Arbeitsgemeinschaft ökologischer Forschungsinstitute (AGöF), Springe-Eldagsen 2007. Hier ist auch die Vorgehensweise zur Untersuchung von VOC-Emissionen durch mobile Messzellen beschrieben (Jörg Thumulla, "Praxisbeispiele von Gerüchen aus Innenräumen: Unangenehme Gerüche nach Teppichverlegung" in: Umwelt, Gebäude & Gesundheit: Innenaumschadstoffe, Fogging und Gerüche, Hrsg. Arbeitsgemeinschaft ökologischer Forschungsinstitute (AGöF), Springe-Eldagsen 2007).

Zur Klärung von Geruchsursachen schlagen wir häufig eine Untersuchung mittels eines Blower-Door-Gerätes vor. Durch Anlegen eines gezielten Differenzdruckes wird die Gleichverteilung des Geruches aufgehoben und das Durchströmen von aus durchströmten Bauteilen provoziert. In vielen Fällen kann die Quelle des Geruches jetzt bereits olfaktorisch oder durch den Einsatz eines direktanzeigenden Photoionisationsdetektors ermittelt werden. Kommt die Quelle aus Bauteilen, kann durch den Einsatz eines Nebelgenerators der Luftweg festgestellt werden, so dass die Bauteile an erfolgsversprechenden Stellen geöffnet werden können.

Kann durch diese Verfahren keine eindeutige Zuordnung getroffen werden, werden Proben verdächtiger Materialien in Probegläser gefüllt und nach Temperierung in neutraler Umgebung geruchssensorisch beurteilt.